Was leisten aktuelle Soundbars? – Bowers & Wilkins Panorama 2 und Focal Dimension im Test

Um in Anbetracht schmaler Abmessungen und kompakter Technik auf große Klangversprechen mit einem gesunden Maß an Skepsis zu reagieren, bedarf es keines Physikstudiums. Zwar lässt sich bei der Lautsprecherkonstruktion so einiges anstellen und die digitalen Eingriffsmöglichkeiten in den Klang werden dank leistungsstarker Signalprozessoren (DSP) immer ausgefeilter, doch die Erfahrung lehrt: Die Miniaturisierung hat immer ihren Preis. Unter diesen Voraussetzungen erscheint es fast ein bisschen größenwahnsinnig, wenn Hersteller vollmundig behaupten mit ihren Klangriegeln sowohl die Stereo- als auch die Surround-Wiedergabe meistern zu können und so zu HiFi-Anlagen und Surround-Systemen gleichermaßen in Konkurrenz treten. Wir haben uns dem Thema angenommen und beleuchten das Potenzial der zwei Spitzenmodelle Bowers & Wilkins Panorama 2 und Focal Dimension.

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Wie alles anfing

Im Vergleich zu ihren herkömmlichen Lautsprecherkollegen ist die Geschichte der Soundbars noch relativ jung. Ihren Beginn markiert die Markteinführung der ADA106 von Altec Lansing im Jahr 1998, die neben der nüchternen technischen Bezeichnung außerdem noch den klingenden Beinamen „Voice Of The Digital Theatre“ trug und mit Surround-Fähigkeit, gerichteten Lautsprechern und DSP-Unterstützung bereits alle Charakteristika aufwies, die auch aktuelle Soundbars auszeichnen. Aus heutiger Perspektive definitiv als Pionierarbeit in diesem Bereich zu würdigen, blieb das innovative Konzept damals erfolglos und die „Stimme des digitalen Filmtheaters“ verstummte vorerst. Weitere Versuche anderer Hersteller das Konzept zu etablieren folgten, so richtig interessant wurden Soundbars allerdings erst in den späten 2000er Jahren, als Flachbildschirme flächendeckend die Wohnzimmerlandschaften eroberten. Seitdem sind wieder einige Jahre vergangen und inzwischen hat das Gros der Lautsprecherhersteller zumindest einen entsprechenden Kandidaten im Produktportfolio. Dabei stechen derzeit insbesondere zwei Produkte aus dem breiten Angebot heraus und es ist kaum verwunderlich, dass beide Entwicklungen auf ausgemachte HiFi-Profis zurückgehen.

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Bowers & Wilkins Panorama 2

Erschienen im Jahre 2012 lässt bereits der erste Anblick der Panorama 2 erahnen, dass es hier um mehr als reine Stereowiedergabe gehen könnte. Und tatsächlich verbergen die verdächtig abgerundeten Ecken gleich vier gerichtete Mitteltöner, die bei entsprechend verfügbarer Surround-Mischung getrennt angesteuert werden. Durch die gezielte Einbeziehung von Raumreflexionen soll so, obwohl der Schall in erster Instanz ausschließlich von vorne abgegeben wird, der Eindruck von Raumklang entstehen. Komplettiert wird das Setup durch zwei Tiefton-Lautsprecher, die für das nötige Bassfundament verantwortlich sind sowie den Centerkanal, der mit zwei Mitteltönern und einem auf der bekannten Nautilus-Technologie basierenden Hochtöner ausgestattet ist. Darüber hinaus wird der Tiefbassbereich durch zwei Bassreflexröhren, die sogenannten Flowports, geformt. Vom Golfsport inspiriert, ist die Oberfläche der beiden Resonanzkanäle zusätzlich mit kleinen Vertiefungen übersät, die den Luftwiderstand der Oberfläche verringern. Bei Bedarf lässt sich obendrein noch ein externer Subwoofer anschließen. Hier bietet sich zum Beispiel der passende Bowers & Wilkins PV1D an.

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Um eine möglichst gelungene räumliche Darstellung zu realisieren, setzt Bowers & Wilkins neben der Ausrichtung der Lautsprecher zusätzlich auf die integrierte DSP der Panorama 2, deren Einfluss auf Frequenzgang und Räumlichkeit in Grenzen an die individuelle Hörsituation angepasst werden kann. Die Einstellung sämtlicher Parameter lässt sich dabei über das edel designte Touch-Panel vornehmen, die wichtigsten Funktionen stehen aber auch über die mitgelieferte Infrarot- sowie die TV-Fernbedienung (CEC-Protokoll) zur Verfügung. Neben den üblichen Verdächtigen Stereo, Dolby Digital und DTS wird der Dolby Pro Logic II Codec unterstützt, der Raumklang-Informationen aus einem Stereosignal dekodiert. Hochauflösende Formate wie Dolby TrueHD oder DTS-HD bleiben leider außen vor. Die Einbindungsmöglichkeiten in ein vorhandenes AV-Setup sind dank vielfältiger Anschlüsse (3x HDMI-In, 1x HDMI-Out, 1x analog/digital Aux-In, 1x Sub-Out) als komfortabel zu bezeichnen.

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Focal Dimension

Während Bowers & Wilkins bei der Panorama 2 bereits auf die Erfahrung aus der Entwicklung des Vorgängermodells zurückgreifen konnte, schickt der französische Hersteller Focal mit der Dimension dieses Jahr seine erste Soundbar an den Start. Das Konzept unterscheidet sich in einigen wesentlichen Punkten von der Panorama 2, trotzdem besteht auch bei der Dimension kein geringerer Anspruch, als Stereo- und Surround-Sound auf höchstem Niveau umzusetzen. Die nicht vorhandenen Rundungen an den Enden legen nahe, dass alle Lautsprecher frontal ausgerichtet sind und ein Blick hinter die Stoffbespannung bestätigt diese Vermutung. Es zeigt sich außerdem, dass in der Dimension, anders als bei der Panorama 2 mit ihren neun Treibern und der klassischen Arbeitsteilung bezüglich Hochton-, Mitten- und Bassbereich, lediglich fünf Chassis zum Einsatz kommen, die (fast) alle das gesamte Frequenzspektrum bedienen. So übernehmen die vier äußeren Breitbandlautsprecher, ebenfalls unterstützt durch zwei Bassreflexröhren, die Abbildung der tiefen Frequenzen in Gemeinschaftsarbeit, während der Center-Lautsprecher zu Gunsten der Sprachverständlichkeit erst Frequenzen ab circa 200 Hz darstellt. Darüber hinaus sind alle fünf Treiber auch für die Mitten- und Höhenwiedergabe des jeweiligen Kanals zuständig, wobei letztere durch die integrierten Dome-Tweeter im Focal-typischen Invert-Prinzip erfolgt.

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Grundsätzlich lässt sich auch die Dimension mit jedem beliebigen Subwoofer kombinieren. Mehr noch als bei B&W drängt sich aber der passende Focal Dimension Sub geradezu auf, da er als zusätzliches Element an der Soundbar installiert wird und so beide Komponenten zu einer Einheit verschmelzen. Da die Focal Soundbar keine gerichteten Lautsprecher aufweist, sorgen hier ausschließlich via DSP erzeugte Verzögerung- und Phaseneffekte in Kombination mit Wandreflexionen für die räumliche Darstellung von Surround-Mischungen. Dementsprechend existieren ebenfalls eine Reihe von Möglichkeiten den Sound individuell zu formen und abgesehen von Dolby Pro Logic II unterstützen Dimension und Panorama 2 dieselben Tonformate. Hinsichtlich der Anschlüsse gibt es einige signifikante Unterschiede. Die HDMI-Ausstattung ist weniger üppig (1x HDMI-In, 1x HDMI-Out), dafür sind mehr Ein- und Ausgänge für reine Audiosignale vorhanden (1x analog Aux-In, 1x digital Aux-In, 1x Sub Line Out, 1x Dimension Sub Out). Des Weiteren besteht die Möglichkeit dank des optionalen Bluetooth-Adapters Musik direkt auf die Soundbar zu streamen. Die Bedienung erfolgt bei der Dimension per Touch-Panel an der Front sowie rückseitigen Auswahlschaltern. Darüber hinaus gehört auch bei Focal eine Infrarot-Fernbedienung zum Lieferumfang und das CEC-Protokoll wird ebenfalls unterstützt.

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Soundvergleich

Vorab möchten wir explizit darauf hinweisen, dass beide Modelle bei uns in unterschiedlichen Vorführräumen installiert sind und diese Tatsache die jeweilige Darbietung selbstverständlich beeinflusst. Darüber hinaus ist unser Testmaterial natürlich nur bedingt repräsentativ und – achtung Binsenweisheit – Sound auch immer eine Frage des Geschmacks. Trotzdem lassen sich bestimmte Grundtendenzen in der Abstimmung beider Geräte ausmachen, die hier einmal skizziert werden sollen. Unser Testlauf begann also mit einer Aufnahme des ersten Satzes von Benjamin Brittens „Simple Symphony“, die sowohl in einer Surround-Mischung als auch in Stereo vorlag und zunächst über die Focal Dimension inklusive Dimension Sub gespielt wurde. Dabei erwies sich der Sound bei beiden Varianten als äußerst spritzig, präzise, differenziert und unaufgeregt, wobei die Surround-Variante noch einmal etwas entspannter in den Höhen und insgesamt angenehm räumlich tönte, ohne dass dieser Effekt übertrieben gewirkt hätte. Wenige Meter weiter hätten die Unterschiede dann kaum größer sein können. Die Panorama 2 (ohne Subwoofer) schleudert einem die Surround-Version regelrecht entgegen und geht dabei deutlich weniger feinsinnig zur Sache als der Konkurrent von Focal. Ja, diese Power ist überwältigend und der Raum ist definitiv ausgefüllt. Aber irgendwie klingt das auch nach ein bisschen zu viel des Guten und die Panorama 2 trimmt die Klassikaufnahme etwas zu sehr in Richtung Blockbuster-Soundtrack. In der Stereo-Mischung relativierte sich dieser Eindruck teilweise, an dem grundlegenden Charakter der Bowers & Wilkins Soundbar änderte dies freilich nichts.

Als dann an gleicher Stelle die 2014er Neuauflage von Godzilla in das Laufwerk wanderte, waren allerdings alle Vorbehalte im wahrsten Sinne des Wortes wie weggeblasen. Die glasklare Sprachverständlichkeit, die sehr präsente Räumlichkeit (auch von hinten links und rechts) sowie die herzhafte Wiedergabe donnernder Spezialeffekte ohne jeden Kontrollverlust beeindruckten nachhaltig. Die kernige Grundabstimmung der Panorama 2 klang in diesem Fall goldrichtig und man ertappte sich plötzlich dabei einfach sitzen bleiben zu wollen, um einen spontanen Filmmarathon abzuhalten. Nach erneutem Wechsel des Settings (schweren Herzens) bestätigte sich schnell der Verdacht, dass die Dimension das vermutlich so nicht leisten könne. Ihr eher beherrschtes Wesen, gepaart mit der vergleichsweise dezenten räumlichen Darstellung konnte den Aha-Effekt, der sich kurz zuvor beim Konkurrenzmodell eingestellt hatte, nicht reproduzieren. Während die Höhendarstellung wie schon bei der Musikwiedergabe sehr präzise und fein aufgelöst wirkte, hatte die Focal Soundbar trotz des Subwoofers bei bassintensiven Geräusch- und Effektsounds hinsichtlich Wucht und Differenziertheit das Nachsehen und vermochte es im Rahmen unseres Testes letztendlich nicht den dichten und einnehmenden Kino-Sound der Panorama 2 zu produzieren.

Schlussgedanken

Beiden Modellen gelingt es tatsächlich die eingangs angesprochene Skepsis in vielerlei Hinsicht zu zerstreuen und sich als eine echte Alternative zur klassischen Zwei- beziehungsweise 5.1-Kanal Lautsprechergarnitur zu empfehlen. Während man bei der Dimension aufgrund zahlreicher Audioanschlüsse, der Streaming-Fähigkeit sowie der klanglichen Abstimmung den Eindruck gewinnt, eine möglichst natürliche und kultivierte (Musik-)wiedergabe sei ein zentrales Anliegen der Entwickler gewesen, scheint Bower & Wilkins mit der Panorama 2 den Fokus etwas mehr in Richtung des ganz großen und dramatischen Kino-Sounds gelegt zu haben. Wie bereits angedeutet, ist ein eigener Direktvergleich aber unbedingt anzuraten, um die eigenen Soundpräferenzen sowie die persönliche Mediennutzung mit den unterschiedlichen Qualitäten beider Geräte abzugleichen. Sicherlich ist es vermessen anzunehmen, dass ein ausgemachter HiFi-Enthusiast seine geliebte Anlage durch eine Soundbar ersetzt und für den Betreiber eines gepflegten Heimkinos gilt wahrscheinlich dasselbe, trotzdem machen die hier vorgestellten Klangriegel erstaunlich viel richtig und kommen somit als Lösung für eine ganze Reihe unterschiedlicher Szenarien in Frage.

Update 19.06.17: Wir haben einige Installationshinweise für die B&W Panorama 2 zusammengestellt, da die Einrichtung je nach Setup manchmal etwas schwierig ist.

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Kommentare (53) Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Brigitte,
    vielen Dank für deine Nachricht.
    Die Panorama 2 gibt’s leider nicht mehr, aber die Panorama 3 steht schon in den Startlöchern. Bis die lieferbar ist, wird es allerdings sicherlich noch 4/5 Monate dauern. Wenn du jedoch nicht so lange warten möchtest, empfehle ich die Focal Dimension aus dem Beitrag. Die ist vergleichbar mit der Panorama 2.
    Viele Grüße
    Elisa

  2. mahlzeit,

    ist denn inzwischen auch mal ein Nachfolger der Focal Dimension in Sicht? So ganz am Stand der Technik ist sie nun ja nicht mehr, wenngleich auch immer noch überlegenswert… … …

    Schönes Wochenende schon mal!

  3. Guten Morgen,

    ein Nachfolger zur Focal Dimension ist derzeit nicht in Sicht.

    Viele Grüße
    Florian

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